Das IV-Dialogforum

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Ma.

20. März 2018

30 Stunden arbeiten, heißt ja Entspannung, mehr Konzentration und vieles mehr. Wir auch immer wieder erfolgreich getestet in anderen Ländern. Warum sollen wir hier bis zu 60h arbeiten?

Unsere Antwort

Das Problem ist, dass der Faktor Arbeit in Österreich im internationalen Vergleich bereits enorm teuer ist. Eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich wäre eine weitere, ganz massive Verteuerung, die uns im internationalen Wettbewerb zurückfallen lassen würde. Die Produktivität steigt zwar durchaus, aber ob dadurch ein so extremer Wettbewerbsnachteil ausgeglichen werden könnte, bezweifeln wir sehr. Insofern bestünde die ernste Gefahr von Arbeitsplatzverlusten, weil unsere Betriebe dann weniger konkurrenzfähig wären. In Frankreich wurde eine Arbeitszeitverkürzung versucht – die Auswirkungen am französischen Arbeitsmarkt waren leider entsprechend negativ. Nicht zu vergessen, dass Arbeit die vorher in 40 Stunden dann in 30 Stunden erledigt werden muss. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet das ein höheres Stresslevel. Ob dies auf längere Sicht gesund ist, bezweifeln wir.

Su.

8. Dezember 2017

Wenn in einem Unternehmen Überstunden nicht ausbezahlt werden und such kein tageweiser Zeitausgleich ermöglicht wird – Abbau ist nur außerhalb der Gleitzeit-Kernzeiten möglich – wird hier eine Bessrrdtellung der Arbeitnehmer als Ausgleich für 10- oder 12-Stunden-Tage diskutiert?

Unsere Antwort

Wir sind uns nicht sicher, ob wir die Frage richtig verstehen. Aber: Bisher gibt es erst eine Ankündigung, dass die mögliche Tageshöchstarbeitszeit erhöht werden soll. Erst wenn ein genauer Umsetzungsplan vorliegt, kann man über die Ausgestaltung im Konkreten diskutieren. Die Frage stellt sich, wie in dem beschriebenen Unternehmen mit Überstunden verfahren wurde – die mögliche tägliche Höchstarbeitszeit ist bereits jetzt höher als die Normalarbeitszeit.

helmut f.

10. Dezember 2017

Welche Nachteile ergeben sich für Arbeitnehmer?

Unsere Antwort

Uns ist nicht bekannt, ob Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Dänemark, Schweden oder den Niederlanden unzufriedener mit ihrer Arbeit sind als in Österreich. In diesen Ländern ist die gesetzlich erlaubte tägliche Höchstarbeitszeit höher als bei uns. Wenn die Modernisierung der Arbeitszeit klug umgesetzt wird, dürften damit auch keine Nachteile für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einhergehen. Dazu muss man sich allerdings die gesetzliche Umsetzung ansehen. Mehr arbeiten, wenn Arbeit anfällt – und im Gegenzug dafür mehr Freizeit in ruhigeren Phasen, finden laut Umfragen viele Menschen jedenfalls sinnvoll.

Harald O.

5. Dezember 2017

Man kann bereits aus saisonalen Erfordernissen bis 12 Std. am Tag arbeiten. Wozu also die Forderung, wenn nicht „Arbeit auf Abruf“ als Ziel dahinter stünde? Damit wälzen die Unternehmen ihre Auslastungsrisken doch nur – und unentgeltlich – auf die Arbeitnehmer ab. „Just in time“ durchstrukturiert aufs ganze Leben?

Unsere Antwort

Wir meinen damit nicht Arbeit auf Abruf! Es geht um eine flexiblere und bessere Einteilung der Arbeit. Wenn beispielsweise ein Projekt dringend fertiggestellt werden muss, soll es auch möglich sein bis zu 12 Stunden am Tag arbeiten zu können (aktuell beträgt die erlaubte Höchstarbeitszeit 10 Stunden). An einem anderen Tag an dem vielleicht weniger zu tun ist, sollte man dementsprechend auch früher heimgehen können! Das meinen wir mit einem modernen Arbeitszeitgesetz!

Elisabeth B.

22. November 2017

Angenommen: Wenn ein Mensch 5 Bauteile pro Tag produziert und ein Roboter 100, wäre dann die logische Konsequenz nicht, dass sich unsere Arbeitszeit irgendwann verkürzt? Zunehmende Automatisierung macht unsere Fertigungen produktiver, ja, aber was ist aus Sicht der Industrie der direkte Benefit für den Mitarbeiter?

Unsere Antwort

Unser Vorschlag der Arbeitszeitflexibilisierung bezieht sich auf genau diese Möglichkeit der selbstständigen Zeiteinteilung: Zu bleiben, wenn mehr Arbeit anfällt und an Tagen auch früher gehen zu können, wenn dem nicht der Fall ist. Sie haben aber Recht: Automatisierung und Digitalisierung werden die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen tiefgreifend prägen. Insbesondere die Arbeitswelt verändert sich und viele neue Berufe werden geschaffen werden. Wussten Sie, dass technische Weiterentwicklungen immer zu mehr (und hochqualifizierteren) Jobs, statt weniger geführt haben? Die Tätigkeiten verschieben sich dabei von Routine zu Nicht-Routine-Tätigkeiten. Besonders klar wird das im internationalen Vergleich, denn Länder (z.B. Deutschland), die auf High-Tech setzen, zeigen weniger Arbeitslosigkeit auf als Länder, die dies nicht machen. Weiterführende Infos finden Sie hier: https://www.digi-talente.at/

No.

20. November 2017

Bei der durch die IV geforderten Flexibilisierung der Arbeitszeit sollten vor allem die bezahlten Überstunden wegfallen!

Unsere Antwort

Lieber Norbert! Bei der Arbeitszeitflexibilisierung handelt es sich – wie der Name schon verrät – lediglich um eine flexible Einteilung der Arbeitszeit. Dies bietet unter anderem die Möglichkeit größere Freizeitblöcke zur Verfügung zu haben und dann zu arbeiten, wenn Arbeit anfällt. Allerdings soll sich die ausgemachte Wochenstundenanzahl nicht ändern, so bleiben natürlich bezahlte Überstunden immer noch bezahlte Überstunden!

Sonja S.

16. November 2017

Flexible Arbeitszeiten gehen meistens auf Kosten der Arbeitnehmer. Bei mir in der Arbeit wird die Arbeitszeit vom Vorgesetzten eingeteilt. Überstunden werden nicht mehr ausbezahlt sondern müssen in Freizeit verbraucht werden. Wobei sich der Arbeitnehmer nicht aussuchen kann wann er seine Gutstunden konsomiert.

Unsere Antwort

Danke für deinen Erfahrungsbericht! Genau deswegen stehen wir für ein einheitliches System ein. Die Modernisierung der Arbeitszeit soll Vorteile für Unternehmen UND Beschäftigte bringen.

Franziskus B.

16. November 2017

Ich arbeite nun schon 45 Jahre.Davon 16.Jahre als Selbstständiger über 12 Stunden am Tag und in der Nacht.
Arbeite jetzt als Angestellter im Dienstleistungbereich, war vorher 12 Jahre in der Produktion tätig.Wer die Erfahrung gemacht hat 12 Stunden durch zu arbeiten.Möchte nur noch 6 Stunden am Tag arbeiten.Danke.

Unsere Antwort

Vielen Dank für Deine persönlichen Schilderungen. Unsere Forderungen bezüglich flexibler Arbeitszeiten, schließen nur die Möglichkeit ein, dass auch 12 Stunden gearbeitet werden darf. 12 Stunden Arbeitstage sollen nur in Ausnahmefällen möglich sein. Die Wochenarbeitszeit soll auf keinen Fall erhöht werden. Durch flexible Arbeitszeiten soll es möglich sein, sich die Arbeit besser einteilen zu können. Die dadurch entstehenden längeren Freizeitblöcke sollen auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vereinfachen.

Ma.

14. November 2017

Immer mehr Arbeit für immer weniger Geld – ist das wirklich der Weg den wir gehen wollen?

Unsere Antwort

Genau genommen ist eigentlich eine gegenteilige Entwicklung zu beobachten. Tatsächlich ist die Kaufkraft der in der Industrie Beschäftigten seit den 50er Jahren stetig gestiegen. Der so genannte „Mannerschnitten-Index“ bildet das sehr gut ab. Die bekannte Mannerschnitten-Packung wird dabei als Richtwert verwendet, weil sie eines der ganz wenigen Produkte ist, das sich seit dem 19. Jahrhundert überhaupt nicht verändert hat. In den 1950er Jahren konnte sich ein Industriearbeiter für 1 Stunde Arbeit nur 3 Packungen Mannerschnitten leisten. Im Jahr 2010 brachte 1 Arbeitsstunde dagegen 24 Packungen ein. Somit könnte man sagen, dass man sich in der Industrie für die gleiche Arbeitszeit immer mehr leisten kann. Hinzu kommt aber: Sowohl die Arbeitsbedingungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich verbessert, was Belastung, Qualität oder Gesundheit betrifft. Und auch die Arbeitszeit, die noch in den 60ern 45 Stunden betrug, ist stetig kürzer geworden. In Summe lässt sich also sagen, dass heute in der Industrie kürzer, besser bezahlt und mit qualitativ hochwertigeren Arbeitsbedingungen gearbeitet wird, als das etwa noch vor 40 oder 50 Jahren der Fall war.

Häufige Fragen zur Arbeitszeit

Unser Standpunkt

3 von 4 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden gerne bis zu zwölf Stunden arbeiten, wenn sie dadurch einen zusätzlichen freien Tag bekommen. Sogar 8 von 10 Menschen sehen durch flexible Arbeitszeit eine bessere Vereinbarkeit von Familien und Beruf.

Von modernen Arbeitszeitregelungen profitieren sowohl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durch Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf als auch Unternehmen, die dadurch flexibel auf Aufträge reagieren und damit Arbeitsplätze sichern bzw. neue schaffen können.

Dabei geht es keinesfalls darum mehr zu arbeiten, sondern dann, wenn Arbeit da ist. Flexible Arbeitszeiten werden in allen Ländern immer wichtiger, damit Unternehmen und Beschäftigte in der modernen Wirtschafts- und Arbeitswelt erfolgreich sein können. Allerdings: Österreichs aktuelle Arbeitszeitregeln wurden lange vor der Digitalisierung entwickelt und gehen von starren Beschäftigungsanforderungen aus. Darum setzt sich die Industrie für flexible Arbeitszeiten ein.

Sie wollen noch mehr über das Thema erfahren? Dann werfen Sie einen Blick auf die häufig gestellten Fragen, oder stellen Sie jetzt Ihre eigenen!

Bin ich der Einzige, der seine Arbeit gerne freier einteilen würde?

Nein.
3 von 4 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden gerne bis zu zwölf Stunden arbeiten, wenn sie dadurch einen zusätzlichen freien Tag bekommen. Sogar 8 von 10 Menschen sehen durch flexible Arbeitszeit eine bessere Vereinbarkeit von Familien und Beruf.

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